Napoleon mit "grand frere" Prince
Napoleon mit "grand frere" Prince

31.8.2010

Hunde, Hühner, Ramadan

 

17h, Djena und ich sind fertig. Sie mit Putzen, Kochen und vom ganzen Tag ohne Essen und Trinken. Ich vom Hochladen meiner Kreationen in meine Homepage. Die andauernden Stromausfälle kosten mich meine Nerven und lassen auch mich das Essen vergessen.

Die Reparaturarbeiten am Zentralmast in Ngaparou sind noch immer nicht zur Gänze erledigt wie man leider unschwer erkennen kann. Die Situation ist wie vor der Investition unseres Präsidenten. Man würde meinen er hat das neue Stromaggregat nur kurz geliehen. Er wird nicht reüssieren 2012. Dessen bin ich sicher.

Mühsam für unzählige Gewerke hier, mühsam, wenn man wie ich halbstündlich aus dem Internet rausfliegt!

 

Leon und ich brauchen jedenfalls Frischluft, eine Brise Meer. Leon für seinen Bewegungsdrang und dem Besuch seiner Freundin, ich um meine Gelassenheit wieder zu finden. 

 

Ich beschieße also Djena nach Hause zu begleiten, liegt ja am Weg zum Strand. Ich kann mich ja auch mal 10 Minuten statt 7 Minuten bewegen und mich mal an einer anderen Ecke des endlosen Strandes niederlassen. Essen gibt’s erst um 20h, Zeit genug also.

 

Wir packen Djenas Anteil am heutigen Nationalgericht Djebu Djen ein und marschieren zur Abwechslung mal in nordwestliche Richtung. Djena kennt eine Abkürzung durchs Dickicht. Ja, jetzt gibt’s auch Dickicht, sollte man nicht glauben, aber wir haben Regenzeit und damit verwandelt sich die üblicherweise karge Savannenlandschaft in einen hüfthohen Unkraut-Dschungel.

 

Leon gefällt´s, mir auch. Sind nämlich jetzt somit auch nur 7 Minuten zum Meer! Und 14 min. gehen ist genug Bewegung für den Tag.

Ich verdanke meine gute Figur denen guten Genen meiner Vorfahren, dem Rauchen eines Packerl Marlboro lights täglich um leistbare 1 Euro und zwischendurch dem Ramadan. Frei nach Winston Churchill - no sports!

 

Ich bin begeistert von diesem neuen Weg zum Meer. Vertieft in ein heiteres Gespräch mit Djena und den Kopf tief gesenkt um ja keinen Fehltritt im Unkrautdschungel zu machen merke ich natürlich nicht, dass Leon nicht mehr an unserer Seite ist.

 

Plötzlich lautes Geschrei, vor uns, nicht weit weg - und wir beide wissen, das ist neben Djena´s Haus! Dort muss ja gerade was Schreckliches passiert sein.

Kinder schreien, Frauen kreischen! Also schneller durchs Gestrüpp!

In Gedanken seh ich die Zwillinge von Djena, beide 3 Jahre alte Mädchen. Mein Gott, wenn denen was passiert ist. Sie sind bei Oma doch so gut aufgehoben.

Djena denkt offensichtlich das gleiche und rennt los. Ich hoppel hinterher.

 

Kinder aller Alterstufen kreischen herum, deuten herum, große Augen, erschreckte Gesichter, andere rennen hektisch hin und her, rennen vor uns um die nächste Ecke, aber manche biegen sich auch vor Lachen. Ich kenn mich nicht aus, ich kann auch noch immer nicht genug Wolof! Ich versteh kein Wort, außer Poulet!

 

Djena dreht sich um und schreit ebenfalls „poulet“. Aber sie ist offensichtlich erleichtert, sie lacht!

Na das hab ich auch verstanden! Gott sei Dank nix passiert!

Poulet! Hendl! Na die sind wahrscheinlich ausgekommen.

Die laufen immer und überall rum.

Die werden sie schon wieder einfangen. Solch ein Theater wegen ein paar Hendln?!?

Hier läuft doch alles frei rum: Kinder, Schafe, Ziegen, Kühe, Männer, Katzen, Geckos, Schlangen, Hunde, Hendln…

 

...wuahhhhh! Hendln!

Mir schwant Böses!

Wo ist Leon!?

 

Und schon seh ich ihn aus einem Grundstück heraus kommen, dem gegenüber von Djena´s.

Im Maul ein gackerndes Huhn. Er kommt direkt auf mich zu. Stolz, mit der Mine „schau her, ich hab´s erwischt!“

Er schmeißt es mir vor die Beine. Djena´s Mutter steht neben mir, die Hände in die Hüften gestemmt und macht ein böses Gesicht.

Das Hendl bleibt sitzen, es atmet schwer. Es weiß, und ich auch, ein Fluchtversuch und es ist endgültig hinüber. Es lebt noch, Gott sei Dank, aber es hat eindeutig einen Schock!

-  Leon, STOPP!

 

Hilfe, peinlich, ich würde jetzt gern im Erdboden versinken oder erst gar nicht hier sein!

Was muss ich auch diesen Weg nehmen!

Leon gehorcht, aber man sieht ihm an, das macht Spaß!

 

Ich schnapp mit einer Hand das Huhn bei den Flügeln, drück es dem nächsten Jungen in die Hand und zeige auf das Tor zum Grundstück. Mit der anderen Hand halte ich Leon am Halsband fest.

- Bring das rein und mach jetzt bitte die Tür zu!

Der Junge greift sich lachend das schlappe Huhn und der Rest der Jungs läuft kreischend hinterher.

- Macht jetzt die Tür zu!!!

Die Tür lässt sich nicht schließen, Verriegelung kaputt!

Ich denke, ich halte Leon immer noch am Halsband, aber ich halte nur mehr das Halsband in der Hand.

- Leon, hierher!

Jetzt bin ich wütend und eigentlich wollte ich Ruhe bewahren um mir keine Blöße zu geben. Leon kommt mit gesenktem Blick herangetrottet.

- Na endlich, kapiert!

Ich will weg von hier! Mein Gott ist das jetzt peinlich gewesen.

In Gedanken versunken geh ich schnellen Schrittes Richtung Strand. Nur weg von hier und nur nicht umdrehen! Ich spür diesen abschätzigen Blick von Djena´s Mutter immer noch im Nacken.

 

Plötzlich, hinter mir, wieder wildes Geschrei. Ich dreh mich um und seh Leon grade noch um die Ecke verschwinden, die gleiche wie vorhin.

Nicht schon wieder!

Ich renn zurück, schreie!

- LEON!!!!

Zu spät, er hat sich das nächste Huhn geschnappt, diesmal aus dem Nachbargarten ums Eck.

Er trickst alle Jungs aus, die ihn einzufangen wollen, um mir auch dieses Exemplar vor die Füße zu schmeißen.

 - Abendessen!? ;-)

das war sein Hundeblick mit schrägem Kopf. Er war stolz auf seinen Fang.

Ich konnte nicht anders. Ich knallte ihm eine auf sein freches Maul und schüttelte in am Nacken. Hundemuttermanier, vielleicht hilft ja das.

Er gähnte, schüttelte sich, sah mit schrägem Kopf nochmals auf das Huhn, dann kurz auf mich, drehte sich mit hoch erhobenem Kopf um und ging dann schnüffelnd Richtung Strand davon.

- na dann halt nicht!

 

Die gleiche Prozedur nochmals.

Übergabe Huhn lebend aber paralysiert, peinliches Schweigen meinerseits, Gelächter der Jungs, strafender Blick von Djenas Mutter, jetzt die Zwillinge an der Hand, kichernd und springend an ihrer Seite. Welch Freude für die beiden. Sie haben jetzt mal was erlebt. Sehen wohl nichts den ganzen Tag, von der lieben Oma beschützt, drin im Haus!

 

Am Straßenrand holte ich Leon ein.

- Du hast ja wohl nicht alle! Du machst uns hier nicht beliebt, du machst uns lächerlich! Rüber mit dir auf die andere Straßenseite! Und jetzt FUSS! Hier rennen 1000 Hunde frei rum aber keiner hier jagt Hühner! Nur du!

 

Der Strandbesuch war begleitet von Gedanken an die armen Hühner, die sahen ja beide sehr geknickt aus. Ob die das überleben? Na das werd ich sicher erfahren, wenns nicht so ist.

Sind für den Kochtopf gedacht für Korité, dem Riesenfest das den Ramadan beendet! Sicher! Die Leute haben hier sowieso nichts und dann passiert das auch noch!

Und das mir, grad mir, einer toubab!

Ich konnte mich beim besten Willen nicht entspannen!

 

Für Leon war das alles bereits Geschichte! Seine Freundin war da, die beiden tobten sich so richtig aus. Ich wollte nur noch schnell nach Hause.

 

Abends um 8h klingelte es an der Tür. Eigentlich wollten wir gerade essen.

Abendlichen Besuch sind wir hier nicht gewohnt, nicht um diese Zeit.

Assane öffnete und streckte seinen Kopf beim Tor hinaus. Ich stand neugierig in der Eingangstür

- Wer ist da?

- 2 Männer

- Hähh?

Verständnisloser Blick meinerseits.

- 2 Männer mit Hühnern!

Verständnisloser Blick seinerseits.

Wusste ich es doch!

Er öffnete die Tür, er verstand gar nichts.

2 Männer mit je einem Huhn in der Hand traten in den Vorgarten und sahen mich böse an. Vor allem der erste. Mit hoch erhobenem Kopf streckte er mir sein Huhn unter die Nase.

- Ihr Hund hat diese beiden Hühner getötet!

Klang nach Anklagebank.

- Als ich weg ging haben sie noch gelebt. Tut mir leid. Aber es war meine Schuld, ich hatte keine Leine dabei.

Diese Erklärung lieferte ich mehr Assane, der nicht einverstanden war mit dem dreisten Auftritt des Hühnerhalters.

- Jetzt leben sie nicht mehr.

- Ja, das seh ich. Übrigens - Bonsoir Monsieurs!

Ändere gefälligst deinen Ton!

- Bon soir, Madame!

Noch immer hat er den gewissen Unterton wie bei Gericht!

- Ok, meine Schuld, keine Leine! Tut mir leid, wie gesagt, sie lebten noch als ich wegging. Wie viel willst du für die beiden Hühner?

- 5000 pro Huhn!

Er straffte seinen Körper und wuchs um 10 cm.

Macht Lügen etwa doch kurze Beine?

 

Ich selbst hatte vor einiger Zeit 5 Hühner um 12500 CFA erstanden, ein Ngaparouanisches Schnäppchen, und sie wanderten daher auch gleich alle in die Tiefkühltruhe. Ich weiß genau, zu Korité gibt’s kein Huhn in ganz Ngaparou, jedenfalls keines zu einem normalen Preis!

Und jetzt bekomm ich natürlich wieder die Rechnung präsentiert für mein Spar-Faible, wie üblich!

Es ist noch nicht Korité!

- 5000 CFA pro Huhn??? Na glaubst du weil ich weiß bin, bin ich blöd auch gleich?

Ich zahl 2500 pro Huhn fix fertig fürs Kochen. Und du willst 5000 für eines?!?

- Das hier ist ein besonderes Huhn, kein gewöhnliches!

- Ah ja, es legt wohl goldene Eier?!?

Will er mich veräppeln? Das ist ein normales Haushuhn wie alle hier!

- Nein, das ist eine spezielle Rasse.

- Ah ja, eine spezielle Rasse. Das Huhn schaut aber nicht anders aus als das hier!

Und ich deutete auf das seines Nachbarn, das leblos in dessen Hand hing.

- Das hier ist aber ein ganz spezielles Huhn!

Sein Nachbar war da wohl nicht ganz seiner Meinung, dass seines keine Spezialrasse sein sollte, und auch Assane verschränkte die Arme vor der Brust und legte den Kopf schief. Er sagte nichts aber die Körpersprache der beiden sagte alles.

- Hör mal, Du kannst 3000 PRO Huhn haben. Also mehr als ich für eines zahle das ich auch noch essen kann! Damit hab ich es bereits vergoldet. Damit kannst du dir nämlich 60 Küken kaufen! Schon mal gerechnet?

- Nein, ich will 5000. Dieses Huhn ist einzigartig in ganz Ngaparou!

Manche kapieren mich in ihrer Gier einfach nicht.

- Noch einmal, 3000 für eins oder nix! Wenn das deinem senegalesischen Nachbarn passiert sagst du zu ihm „gib mir 1000“ und du bist froh wenn du die 1000 überhaupt bekommst! Ich wohne hier seit 2,5 Jahren. Ich kenn solche Spielchen! Das ist die Diskriminierung hier und ich hasse sie! Toubab heißt nicht deppat sondern WEISS! 3000 oder nix! Verstanden?!

Ich koch jetzt gleich über!

Er schaut zu seinem Freund den Nachbarn und der nickt hektisch mit dem Kopf „ja“, schon fast flehentlich.

- Nimm schon! will er wohl damit sagen. Könnt ja sein dass die so in Rage gerät und wir haben gar nix.

Richtig erraten meine Herren! Ihr werdet gleich beide samt Hühner wieder rausfliegen!

Ein Blick zu Assane würde genügen, aber ich will mir ja nicht gleich ganz Ngaparou zum Feind machen.

- Na gut, einverstanden!

Sein Blick aber verrät, es tut seinem Stolz gar nicht gut nachgegeben zu haben.

Ich lächle, „na geht doch!“

Assane lacht auf und meint auf Wolof zu ihm „sie kennt das!“

Er murmelt etwas zurück, darunter das Wort „kompliziert“.

Assane rollt vielsagend seine Augen und grinst.

Ich grinse auch, soviel versteh ich grad noch auf Wolof!

Ja, ja Toubabs sind immer „kompliziert" wenn sie sich nichts gefallen lassen.

- Und Frauen noch dazu, sind ja sowieso kompliziert, egal ob schwarz oder weiß!

Na das war wohl eh klar dass das jetzt kommen mußte! Stichwort!

- Und warum braucht ihr dann immer allesamt 3 oder 4, wenn´s doch bei euch heisst:

1 Frau – 1 Problem, 2 Frauen - 2 Probleme, 3 Frauen - nur Probleme!?!? Häähhhh??? Eine ist euch doch schon zuviel!

Das konnte ich mir jetzt nicht verbeißen!

Der Nachbar grinst verlegen, verbeugt sich und schüttelt mir die Hand.

- Merci, très gentil! Sehr freundlich!

- Na das glaub ich auch, keiner bezahlt euch das sonst!

Jetzt kann auch ich wieder lachen.

Wollen wir ja mal alles nicht so eng sehen!

Aber wenn ich jemanden einen Löffel hinstrecke, braucht er wohl nicht gleich meinen Arm aufessen!

Ich drück dem Meister des Spezialrassehuhns 6000 CFA in die Hand und jetzt lacht auch er, wenn auch etwas gequält.

Ja Bester, mit mir nicht! Würde ist nicht das gleiche wie Stolz! Und wenn du das bei mir lernst.

Ich muss lachen!

Djena wird erst entsetzt sein über den Preis den ich für die beiden Hühner zahle!

Die beiden wollen jetzt so schnell wie möglich bei der Tür hinaus.

- Die Hühner bleiben bitte hier, die hab ich bezahlt!

Ihr verkauft sie womöglich noch!

Gehorsam legen sie die beiden Hühner nieder und trollen sich. Aber   ihr Vergnügen können sie kaum verbergen als sie mir draußen auf der Strasse grinsend mit dem 6000 CFA nachwinken.

- Très gentil, merci!

Winkend und grinsend entfernen sie sich.

Ich winke zurück, grinse zurück.

Ich weiß doch, meine Lieben, das war seit langem das beste Geschäft eures Lebens!

Assane schüttelt den Kopf und schließt das Tor.

Jetzt endlich können wir essen! Fast 21h!

 

Ich schnappe mir noch das leblose Federvieh und rufe Leon.

- Das waren die teuersten Hühner! Das ist dein Werk! Die frisst du jetzt und zwar sofort!

Seiner anfänglichen Freude über deren Anblick weicht ein abschätziger Blick: Die laufen ja gar nicht mehr.

 

In der Sackgasse hinter meinem Haus warten bereits Leons Bruder Prince und ein junger Freund zum Spielen. Also raus mit den Hühnern in den „Hinterhof“.

Programmänderung, kein Tscheb, heut gibt’s frisches Huhn mit Federn…Festessen um 6000 CFA!

Was soll’s!

Mahlzeit meine Herren!

 

Djena´s Reaktion am nächsten Morgen war wie vermutet:

- 3000 CFA für ein Huhn, na der ist ja verrückt! Und das hast du bezahlt?!

Ihr blieb der Mund offen. Sie senkte den Blick.

- 3000 CFA für ein Huhn!

Sie konnte es nicht fassen.

- Verstehst mich jetzt wenn ich von Diskriminierung rede?!?

- Der ist ja echt verrückt!

Na danke!

Und ich war grad noch so glücklich über nur 6000 CFA!

 

Ferien im Senegal am Meer
Abenteuerurlaub Senegal
peche a haute Senegal maison a louer
aventures Senegal maison a louer
vacation a la plage appartement a louer
Safari Senegal Somone
Safari Westafrika Senegal
Ferienwohnung am Meer Senegal
reserve de Bandia Senegal vacation maison a louer safari
appartement 3 pers. pres plage somone
vacation a longue terme somone
appartement a louer 3 pers pres mer